Systematik
Wie werden die Ranglisten erstellt?
Insgesamt bringe ich die Erfahrung von über 40 Jahren intensiver persönlicher Betrachtung des Fußballs ein. Für die Punktverteilung und Platzierung aller Spieler berücksichtige ich hauptsächlich die gezeigten Leistungen sowie in Teilen auch das Talent des Einzelnen. Bei den historischen Rankings betrachte ich die gesamte Profilaufbahn. Für die aktuellen Ranglisten werte ich Leistungen aus dem letzten halben Jahr besonders hoch, aber auch vergangene Spielzeiten finden noch eine gewisse Berücksichtigung. Ein Topspieler, der mal ein schwaches Halbjahr hinter sich hat, wird also nicht gleich komplett aus der Liste fallen. Umgekehrt wird sich in der absoluten Spitze selten ein Neuling befinden, der erst wenige Spiele auf hohem Niveau bestritten hat. Dieser muss mir seine Klasse erst über einen längeren Zeitraum beweisen, um ganz oben platziert zu sein.
Bei Offensivspielern sind geschossene und vorbereitete Tore für mich eine wichtige Größe neben den erzielten Noten, die für alle Spieler entscheidend sind. Diese werden führenden Fußballmedien wie Kicker, L’Equipe, Guerin Sportivo und Marca sowie in England den großen seriösen Tageszeitungen entnommen. Die Noten der Fachmedien bilden gemeinsam mit dem Gesamteindruck, den ich in unzähligen selbst verfolgten Fußballspielen gewonnen habe, die Grundlage für alle Bewertungen.
Welche Leistungen werden wie bewertet?
Das entscheidende Kriterium bei der Platzierung ist das jeweilige Leistungsniveau, das ich bei einem Spieler sehe. Je spielstärker die jeweilige Liga bzw. das betrachtete Turnier ist, umso höher werden die dort gezeigten Leistungen eingeschätzt. Am meisten orientiere ich mich an Weltmeisterschaften, gefolgt von Europameisterschaften sowie der europäischen Champions League. Auch Wettbewerbe wie die Copa America und die Europa League spielen in meiner Analyse eine wichtige Rolle.
Im nationalen Vereinswettbewerb sind für mich fast nur die fünf europäischen Top-Ligen von Bedeutung. Denn es stammen zum Beispiel fast alle Sieger in den Europapokalen der letzten 20 Jahre aus diesen fünf Ligen: England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich. Hier spielen auch fast alle Weltklassespieler. Überragende Leistungen in kleineren Ligen spielen für mich daher nur dann eine Rolle, wenn mir der jeweilige Spieler auch in internationalen Wettbewerben positiv auffiel. Also in einem der drei Europapokale, aber auch der Copa Libertadores in Südamerika und vor allem in Länderspielen.
Wobei auch für Länderspiele gilt: Je stärker der jeweilige Gegner, umso höher bewerte ich eine gute Leistung auch fürs Ranking. Für die Ranglisten der besten deutschen Fußballer schaue ich auch auf Spieler aus der 2. Bundesliga. Für ihre Leistungen verteile ich jedoch deutlich weniger Punkte als für Erstligaspieler.
Wieviel Punkte können erzielt werden?
Bei der Punktvergabe orientiere ich mich in meinem Blog beste-spieler.de an den aktuellen Schulnoten von 1 bis 15. Dabei sind 15 Punkte der Optimalwert. Diesen können aber nur die absolut weltbesten zwei, drei Spieler erhalten. Auch 14 und 13 Punkte gelten bei mir noch als Weltklasseleistungen. Herausragende nationale Spieler, die sich (noch) nicht auf internationalem Niveau zeigen konnten, erhalten in der Regel 8 bis 10 Punkte. Für deutsche Zweitligaprofis sind 5 bis 6, in seltenen Ausnahmen 7 Punkte der Höchstwert.
Um bei historischen Ranglisten die Karriereleistungen noch genauer bewerten zu können, habe ich dort die Punkteskala auf bis zu 30 Punkte erweitert. Die zwei, drei besten Spieler aller Zeiten werden also mit 30 Punkten für ihre gesamte Karriere ausgezeichnet, die weiteren absoluten Jahrhundertspieler können 27 bis 29 Punkte erreichen usw.
Kann man aktuelle Spieler überhaupt mit Spielern von vor 30 oder 60 Jahren vergleichen?
Jeder Fußballfan wird jetzt zurecht sagen, dass dies nicht möglich ist, da sich das Fußballspiel insgesamt in Technik, Athletik und Tempo im Lauf der Jahrzehnte immer wieder stark verändert hat. Daher wirkt es auf den ersten Blick unseriös, etwa die Leistungen eines Messi aus der aktuellen Zeit mit denen eines Maradona aus den 1980er Jahren oder gar eines Pelé aus den 1960er Jahren zu vergleichen. Das sehe ich genauso.
Es ist aber zumindest möglich, zu untersuchen, wie herausragend ein Spieler zu seiner jeweiligen Zeit war. Für diese Betrachtung analysiere ich etwa (weitgehend) nachvollziehbare Bewertungen wie Platzierungen beim Ballon d’Or, bei den Wahlen der besten Spieler einer WM oder anderer renommierter Abstimmungen (in Deutschland vor allem die „Rangliste des deutschen Fußballs“ des Kicker). Häufigkeiten und Platzierungen in solchen Bestenlisten sowie Beschreibungen anerkannter Experten von damals können so auch das Leistungsvermögen von Spielern zeigen, deren Karriere schon sehr weit zurückliegt. Auf diese Weise werde ich Quervergleiche zwischen Spielern aus ganz verschiedenen Zeiten ziehen.
Ab welchem Zeitraum beginnen historische Ranglisten?
Mit Einführung der Weltmeisterschaft 1930 gab es das erste Mal die Möglichkeit, die besten Fußballnationen der Welt bei einem Turnier zu sehen. Auch wenn damals nur sehr wenige Länder überhaupt an der WM teilnahmen, lassen sich daraus schon interessante Erkenntnisse ziehen. Auf Vereinsebene wurde bereits 1927 mit dem Mitropa-Cup ein Vorläufer der späteren Europapokalwettbewerbe eingeführt. Ähnlich wie bei der ersten WM waren aber auch hier zu Beginn nur sehr wenige Länder vertreten.
Als Vorläufer der Weltmeisterschaften können die olympischen Fußballturniere gelten. Gerade an den drei Wettbewerben in den 1920er Jahren nahmen die meisten führenden Fußballnationen teil und dies mit ihren A-Nationalmannschaften. Dort präsentierten sich also viele der weltbesten Spieler. Daher macht es für mich Sinn, das Jahr 1920 als Beginn des modernen und vergleichbaren Fußballs anzusehen. Zumal der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 inklusive der folgenden beiden Jahre des Wiederaufbaus eine klare Zäsur zu den Anfängen des Fußballs vor 1914 bedeuten.
Ich nehme also grundsätzlich Spieler in historische Rankings auf, die von 1920 bis heute gespielt haben.
